Wer kennt diese Situation nicht? Man freut sich nach der Arbeit auf einen entspannten Spaziergang mit dem Vierbeiner, doch dann kommt alles anders. Der Beagle zieht an der Leine, bellt andere Hunde an, versucht den Jogger in den Po zu zwicken. Zu Haus geht der Ärger weiter, denn dort steht er bellend am Gartenzaun, der Nachbar hat sich bereits beim Vermieter beschwert und in einer unbeaufsichtigten Minute klaut er auch noch den Braten vom Teller. Was nun? Auswandern, den Hund abgeben?
Es gibt einen Ausweg aus dieser Situation und dieser ist Einfach sprachlos – sprachlos einfach.
Das Speechless dogtrainingsystem (kurz S.D.T.S) wurde 1999 von Gerhard Wiesmeth entwickelt, es basiert auf Erfahrungen und Beobachtungen an Mensch und Hund. Mit einer Erfolgsquote von 97% ist es vielen anderen Methoden weit voraus.
Grundlegend ist zu sagen, dass es hier um Problemhunde geht. Doch was ist eigentlich ein Problemhund?
Alles was der Hund uns an Verhalten zeigt ist völlig natürlich und artgerecht. Er zeigt uns das, was ihm beigebracht wurde, oder aber er füllt die Lücken, die wir ihm in Form von Entscheidungsfreiheiten lassen. Der Hund hat also gar kein Problem – der Mensch hat ein Problem mit dem Verhalten seines Hundes. Der Hund kann sein Verhalten nur ändern, wenn der Mensch sein eigenes Verhalten grundlegend ändert. Deshalb "therapiere" ich den Besitzer genau so wie den Vierbeiner.
Warum bellt der Hund also am Zaun oder an der Wohnungstür?
Bellen hat grundsätzlich eine Signalwirkung. Der Hund will damit sagen „Aufgepasst, hier stimmt was nicht!" Wenn wir darauf also mit „Nein" reagieren haben wir die Situation nicht gelöst. Eventuell ist der Hund in diesem Moment ruhig und meidet dieses Verhalten. Doch beim nächsten Mal wird er wieder bellen. So werden viele Hunde zu Dauerbellern. Wie wär´ es denn den Hund stattdessen kurz zu loben, er hätte seine Pflicht getan und folglich keinen Grund mehr weiter zu bellen.
Wenn der Hund also nicht weiß, dass er etwas falsch macht – denn sein Verhalten ist aus seiner Sicht völlig logisch und artgerecht – warum reagieren wir dann mit „nein", „aus" oder „pfui"? Dies wird langfristig nichts am Verhalten des Hundes ändern. Wichtig ist es dem Hund eine sinnvolle Alternative zu bieten, ihm also zu zeigen, dass es lohnenswert ist uns ein anderes Verhalten zu zeigen. Wichtig ist, dass der Hund das neu erlernte Verhalten später freiwillig und gerne zeigt.
„Mein Hund soll es aber nicht für Futter, sondern für mich tun"
Sie selbst würden diese Aussage sicher auch unterschreiben, wenn sie von Ihrem Chef gegenüber seinen Mitarbeitern kommt, oder doch nicht?
Der Hund ist ein egoistisches, triebgesteuertes, ressourcenverschlingendes Raubtier. Niemand tut etwas zuverlässig umsonst – auch Ihr Hund nicht. Oder würden Sie nur Ihrem Chef zu Liebe arbeiten gehen ohne Geld und somit Ressourcen, wie z.B. Essen, zu verdienen?
Warum sollte man also den Futtertrieb des Hundes nicht nutzen? Wichtig ist dabei den Hund mit dem Futter nicht zu locken oder abzulenken. Der Hund darf sich am Futter selbst bestätigen. Mit der durchschnittlichen Tagesfutterration hat der Hund also im Durchschnitt über 300 Mal die Gelegenheit sich zu bestätigen. So wird er das neue, von uns gewünschte Verhalten schnell generalisieren.
Während der Therapie arbeite ich ohne Sprache, ohne Zwang und ohne Hilfsmittel.
Fakt ist, Druck erzeugt Gegendruck und Aggression ruft Aggression hervor.
Die Frage muss also nicht lauten „Was kann ich gegen das Verhalten meines Hundes tun?" , sondern „Was kann ich für meinen Hund tun, damit er ein erwünschtes Verhalten zeigt".
In diesem Sinne,
mit hundefreundlichen Grüßen
Christin Lauf
zert. Problemhundtherapeutin nach S.D.T.S.
www.hundehilfe.net